Das CJD - Die Chancengeber CJD Panorama

Vortrag auf dem Empfang des CJD in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin am 5.10.2013.

Wer selbst nicht brennt, kann nichts entzünden. (Augustinus)

Das Kinder- und Jugendsozialprojekt Panorama  „Musizieren mit Kindern im großen Ensemble“ basiert auf dem christlichen Menschenbild: Keiner darf verloren gehen! Kinder  sind  von  Natur  aus  neugierig,  begeisterungsfähig   und aktiv, sie sind kleine Multitalente, fantasievoll und vorurteilsfrei. Meist begegnen sie ihrem Umfeld mit großer Offenheit. Musik, Bewegung, Stimme und Sprache bilden für sie eine Erlebniseinheit. Jedes Kind hat die Fähigkeit, sich auf seine spezifische, persönliche Weise zu artikulieren und es hat deshalb ein Recht auf individuelle Förderung seiner Begabungen und auf Hilfe bei eventuellen Defiziten. Die pädagogische Intention des CJD-Projektes ist ambitioniert, weil sie eine echte Chancengerechtigkeit für alle Kinder im Fokus hat. Ohne Schlüsselkompetenzen wie Spracherwerb und Sprachbeherrschung ist die Teilnahme an einer entwickelten Gesellschaft nicht möglich. Da Kinder im frühen Alter besonders aufgeschlossen und wissbegierig sind, ist der bildungsästhetische Ansatz mit Musik im Zentrum erfolgsversprechend. Das tägliche Musizieren generiert Nachhaltigkeit, die sich aus der Liebe zum eigenen, selbst gewählten Instrument und aus der Begeisterung für das Zusammenspiel im Orchester speist. Begleitend sollte Elementare Musikpädagogik mit Singen und Bewegung angeboten werden. Singen ist das erste ganzheitliche Modell - ein vernetztes System von Atem, Stimme, Sprache,  Melodie, Rhythmus und Bewegung.

Die Hauptaspekte von Erziehung und Bildung - die Entwicklung kreativen, intellektuellen Potentials und sozialer Kompetenzen - werden verinnerlicht, wenn jedes Kind sich als individuelle Persönlichkeit angesprochen fühlt und seine Vorlieben und Stärken ausleben kann. Obwohl die Zusammensetzung der Spielgruppen häufig stark divergiert (Mädchen, Jungen, unterschiedlicher Migrationshintergrund, Neugierige, Begeisterte, Konzentrationsschwache, Hypermotoriker, Schüchterne, Draufgänger...), bündelt das Lernen in einer Gruppe alle Kräfte, wirkt integrativ und kompensatorisch: aus der kurzfristigen Spielmotivation kann sich eine langfristige Lernmotivation entwickeln, die alle Lebensbereiche tangiert. Im Spiel werden sämtliche „Lerntypen“ angesprochen, die auditiven und visuellen, die motorischen und haptischen. 

Sensomotorische Erfahrungen sind für Kinder im Vorschulalter von geistig - seelischen Erlebnissen kaum zu trennen. Kinder im frühen Schulalter können zwar einerseits viele Dinge bereits rational erfassen, andererseits sind sie noch darauf angewiesen, ihren Spieltrieb auszuleben. Deshalb müssen die Repräsentationsmuster der Lehrens und Lernens als handelnde (enaktive), anschauliche (ikonische) und sprachlich-begriffliche Formen ständig wechseln, um den Unterricht lebendig zu gestalten. Die Kinder sollen auch lernen, Gefühle und Bedürfnisse ihrer Mitspieler wahrzunehmen. Diese sozial-psychologische Dimension wird zum Politikum, weil selbstbewusste und tolerante Kinder als Erwachsene die Gesellschaft positiv beeinflussen.

Musik ist an Emotionen gebunden - Gefühle sind unser erster Verstand. Die Synapsenforschung weist auf die große Bedeutung der Emotionalisierung von Lernprozessen hin. Eine Methodik auf lern- und entwicklungspsychologischer Basis führt von positiven Erfahrungen in konkreten Spielsituationen hin zum abstrakten Verständnis komplexer Zusammenhänge.

Kreativität ist Teil der biologischen Grundausstattung des Menschen! Deshalb fördert handlungsorientiertes und kreatives Lernen mit Augen und Ohren, mit Händen und Füßen die fortschreitende Selbstvergewisserung (Resilienz) der Kinder und motiviert sie zu eigenständigem Ausprobieren und Gestalten. Motivation ist die Grundlage für eine lebenslange Beschäftigung mit Musik.

Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen. (Aristophanes von Byzanz)